Hongkong | Chinas Metropole am südchinesischen Meer

 

Geschichte Hongkongs

Hongkong ist eine von zwei Sonderverwaltungszonen der Volksrepublik Chinas – die andere ist Macau. Doch wie kam es zu diesem seltsamen Status dieses kleinen Landes?
Archäologische Forschungen haben ergeben, dass es in dem Gebiet, was heute Hongkong genannt wird, bereits in der Steinzeit Menschen gegeben hat. Es ist schwer zu sagen, wann es genau ein Teil des chinesischen Reiches wurde. Es ist allerdings belegt, dass sich zu Zeiten der östlichen Han-Dynastie (25–200 NC) die chinesische Herrschaft über die ganze Region erstreckte. Während der Tang-Dynastie florierte die Guangdong Region als Handelszentrum. Im Jahre 736 errichtete Kaiser Xuanzong von Tang einen Militärstützpunkt in Tuen Mun, um die Küstengebiete der Region zu verteidigen. Die erste verstärkte Migration aus dem nördlichen China gab es erst zu Zeiten der Song-Dynastie.

Nach den Aufzeichnungen war der erste Europäer, der 1513 nach Hongkong kam, Jorge Álvares, ein portugiesischer Entdecker. Nachdem Siedlungen in der Region errichtet wurden, begannen portugiesische Kaufleute den Handel in Süd-China. Zur gleichen Zeit fielen die Portugiesen in Tuen Mun ein und bauten Wehranlagen. Kämpfe zwischen dem chinesischen und portugiesischen Militär führte zu dem Rauswurf der Portugiesen. Mitte des 16. Jahrhunderts verboten die Hajin jede Form von Seeaktivitäten, um den Kontakt zu Ausländern zu verhindern. Dies schränkte auch die Erwerbsquellen der lokalen Bevölkerung, die mit dem Meer verbunden waren, ein. Von 1661-1669 war das Gebiet von der großen Räumung betroffen, welche von Kaiser Kangxi verordnet wurde und verlangte, dass alle Küstengebiete von Guangdong evakuiert wurden. Aufzeichnungen belegen, dass 16.000 Menschen von Xin’an Bezirk ins Landesinnere getrieben wurden. Es kehrten 1.648 von denen, die die Küstengebiete verließen, nachdem die Evakuierung 1669 aufgehoben wurde, wieder zurück. In 1685 war Kangxi der erste Kaiser, der die Einschränkungen bezüglich des Handels mit Ausländern wieder aufhob. Allerdings führte er strenge Bedingungen für Händler ein, so mussten ausländische Händler in bestimmten Gebieten leben, sie durften dort nur für die Handelssaison bleiben, Waffen waren untersagt und es durfte nur mit Silber gehandelt werden. Die Ostindien-Kompanie wagte die erste Seefahrt nach China in 1699 und der Handel mit britischen Händlern entwickelte sich von da an schnell. In 1711 errichtete die Kompanie den ersten Handelsstützpunkt in Canton. Bis 1773 hatten die Briten den bahnbrechenden Handel von 1000 Truhen von Opium in Canton, was dazu führte, dass China 1799 2000 Truhen Opium jährlich konsumierte. Der Kaiser war alarmiert durch die Bedrohung der Silbervorräte des Landes und die zunehmende Anzahl Süchtiger, sodass er ein Handelsverbot gegen Drogen aussprach. Der Opiumhandel konnte allerdings zunächst von den Briten mithilfe korrupter, chinesischer Beamten aufrechterhalten werden, bis letztendlich der Kaiser sein Verbot 1839 bekräftigte. Als Antwort besetzten die Briten Hongkong 1841 (Erster Opiumkrieg), um sich günstige Handelsbedingungen zu sichern. Es folgten weitere Konflikte mit der Rückendeckung von Frankreich, Russland und Amerika, die auch als Zweiter Opiumkrieg bezeichnet werden. Diese hatten wiederum zur Folge, dass den Briten die Halbinsel Kowloon und Stonecutters Island übertragen wurde (1859), sowie sie eine 99-jährige Pacht für die New Territories erhielten (1898).

Die Einwohnerzahl nahm dank Immigranten, die aufgrund der Chinesischen Revolution von 1911 und den damit verbundenen Folgen wie Hungersnot flüchteten, weiter zu. Der chinesische Bürgerkrieg sorgte dafür, dass die Flüchtlingszahlen nicht abnahmen. Aufgrund des japanischen Einzuges in China in 1937 kam es zu sogar noch zu einer starken Verstärkung des Flüchtlingsstromes. Hongkongs Status als britische Kolonie ermöglichte den Flüchtlingen einen vorläufigen Hafen der Sicherheit. Am Tag als Japan Amerikas Flottenstützpunkt Pearl Harbor angriff (7.12.1941) nahm sein Militär von Guangzhou auch Hongkong ein. Die Situation unter den Japaner war brutal mit vielen wahllosen Massakern von hauptsächlich chinesischen Zivilisten. Die aus dem Westen stammenden Bewohner wurden im Stanley Prinson eingesperrt. Viele chinesische Hongkongbewohner flohen nach Macau, welches von den neutralen Portugiesen verwaltet wurde.

Nach Japans Abzug von Hongkong und die anschließende Kapitulation im August 1945, sah es für die Kolonie zunächst so aus als würde sie aus dem Winterschlaf aufwachen. Jedoch sorgten Ereignisse im Land selbst sowie auf dem Kontinent dafür, dass Hongkong eine neue Richtung aufnahm. Als Peking und Nordkorea sich in dem Jahr verbündeten, um gegen die Truppen der USA und UN in den Krieg zu ziehen, bedrohte die UN-Handelssperre gegenüber dem Handel mit China, auch Hongkong wirtschaftlich die Luft abzudrücken. Dennoch bauten lokale und ausländische Geschäftsleute auf einem eher wackeligen und kriegsgeschundenen Fundament ein riesiges Produktions- und Dienstleistungszentrum, welches Hongkong in eines der bedeutendsten Wirtschaftswunder transformierte.

Bis zu den späten 70er Jahren verschwendeten nur wenige Menschen einen Gedanken daran, was mit Hongkong nach Ablauf des Pachtvertrages für die New Territories in und nach 1997 geschehen würde. Gesetzlich war Großbritannien daran gebunden nur die New Territories wieder zurück zu händigen – nicht aber Hongkong Island und Kowloon, welche damals für immer an Großbritannien abgetreten wurden. Zu diesem Zeitpunkt lebte allerdings die Hälfte der Bevölkerung in den New Territories, was eine Teilung unvertretbar machte. Im Jahre 1982 begannen Gespräche zwischen den Premierministern des Vereinigten Königreichs und der Volksrepublik China über die Zukunft des Territoriums. Eine von Deng Xiaoping entwickelte Doktrin mit dem Namen „Ein Land, zwei Systeme“ ebnete letztendlich den Weg zu einer chinesisch-britischen Gemeinschaftserklärung im Dezember 1984. Diese Doktrin beabsichtigte den Status Hongkongs als Sonderverwaltungszone Chinas. Die Vereinbarung sah vor, dass Hongkong theoretisch seine gegenwärtigen sozialen und wirtschaftlichen Strukturen sowie das Rechtssystem für mindestens 50 Jahre nach 1997 erhalten bleiben. So ging 1997 nach 156 Jahren britischer Kolonialherrschaft mit einer großen Feier und etwas Ungewissheit, inwieweit die Chinesen Hongkong die Autonomie tatsächlich gewähren würden, zu Ende. Aufgrund der langen Kolonialzeit war der Einfluss Großbritanniens nicht unscheinbar, somit könnte man diese Ära auch als „Englisch intensiv“ bezeichnen. Auch heute gilt Hongkong noch als Metropole, wo sich das traditionelle Asien und der ultramoderne Westen mischen. Die Wirtschaftskrise in Asien hat damals auch Hongkong betroffen und ist nicht spurlos vorübergegangen, dennoch ist Hongkong immer noch ein geschäftiges Finanzzentrum und eine interessante Metropole, die viel zu bieten hat – das New York Asiens eben!

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Fakten

  • Land: China
  • Sonderverwaltungszone Hongkong
  • Fläche: 1.108 km²
  • Einwohner: 7.008.900
  • 6054,5 Einwohner pro km²
  • Währung: Hongkong-Dollar
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